Folge 1: Die Pfarrerstochter
Shownotes
Jeden Mittwoch erscheint eine neue Folge. Über den Podcast: Vor 50 Jahren, am 21. Mai 1975, beginnt in Stuttgart Stammheim der Prozess gegen Gudrun Ensslin – Mitbegründerin der Roten Armee Fraktion (RAF) und Symbolfigur des linksterroristischen Widerstands. Mit diesem Podcast widmet sich die Stuttgarter Zeitung dem Leben Gudrun Ensslins und macht sich auf die Spurensuche. Wie wurde die Pfarrerstochter zur Terroristin?
#Deutschland #Zeitgeschichte #RAF #Stammheim
Mehr zum Thema erfahrt ihr hier:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/raf-podcast
Ihr habt suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/
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Impressum:
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00:00:05: Gudrun Enzlin, Terror Haft Tod.
00:00:10: Der RAF-Podcast der Stuttgarter Zeitung Folge eins Die Pfarrers Tochter
00:00:22: Mord Versuchter Mord Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung Herbeiführen von Sprengstoff-Explosionen und schwerer Raub So lautet die Anklage gegen die Terroristen im Gerichtsaal des Hochsicherheitsgefängnisses von Stuttgart-Stammheim.
00:00:37: Beschuldigt ist auch eine junge Frau, eine Pfarrers-Tochter.
00:00:41: Geboren auf der Schwäbischen Alp, Abiturientin in Stuttgart und später Studentin im Tübingen.
00:00:45: Die Rede ist von Gudrun Enzlin.
00:00:48: Sie isst Mitbegründerin und führendes Mitglied der Roten Armee Fraktion kurz RAF.
00:00:54: Drei Jahrzehnte lang hält die terroristische Gruppe Deutschland in Atem Vor Gewalt.
00:01:00: schreckt sie nicht zurück!
00:01:01: Sie ermordet vierunddreißig Menschen.
00:01:03: Viele weitere werden bei Anschlägen oder Attentaten verletzt.
00:01:08: Die RAF will den Staat und die Wirtschaft durch Terroranschläge erschüttern, der erklärte Feind – Wie konnte es so weit kommen?
00:01:35: Warum geht eine junge, gebildete Frau der die Welt eigentlich offen steht in den bewaffneten Untergrund und wird zur Mörderin und
00:01:43: Terroristin?".
00:01:44: Fünfzig Jahre nach dem großen Stammheimprozess rollen wir noch einmal die Geschichte auf.
00:01:49: Wir erzählen euch von historischen Ereignissen bei denen es auch immer wieder um Gewaltverbrechen und Suizide geht – beachtet das bitte!
00:01:56: Für diesen Podcast hat ein Team aus Redakteurinnen und Redakteuren der Stuttgarter Zeitung mit Zeitzeugen und Experten gesprochen mehrere Orte besucht und sich die Frage gestellt, wer war Gudrun Enstlin?
00:02:06: Und was hat sie mit Deutschland gemacht.
00:02:08: Wir fragen uns natürlich.
00:02:09: wie muss man sich einen Menschen wie Sie vorstellen?
00:02:12: Wie spricht sie?
00:02:12: Wie denkt sie?
00:02:14: Es gibt nur wenig Tonaufnahmen von Gudrun enstlin aber wir haben diese Tonband-Aufzeichnung von ihr, die während der Gerichtsverhandlung in Stammheim gemacht wurde.
00:02:21: Damals ist Enstin fünfunddreißig Jahre alt, hört mal rein!
00:02:25: Revolutionäre
00:02:25: Politik is' die
00:02:26: Negation der Politik
00:02:28: des Kapitals hier und jetzt des US Kapitals.
00:02:32: Die ist nur durch Kampf
00:02:33: den bewaffneten Angriff, die Taktik, die in jedem Moment
00:02:36: und jede Aktion die
00:02:37: Strategie an die imperialistischen Kampf antizipiert zu entwickeln.
00:02:44: Auf Bildern sieht man diese junge Frau mit langen glatten Haaren viel kajal – sie hat ein hübsches Gesicht!
00:02:50: Gudrun Enzlin hat die idealen Voraussetzungen.
00:02:53: Gute Schulabschluss samt Auslandsaufenthalt in den USA.
00:02:56: Studium behütet das Elternhaus.
00:03:00: Der zweite Weltkrieg ist vorbei.
00:03:02: In der Bundesrepublik tut sich vieles.
00:03:05: Ich bestelle mir das Schwannen vor, klingt nach unzähligen Möglichkeiten und Veränderungen.
00:03:11: Und diese Gesellschaft mitgestalten zu wollen?
00:03:13: Das kann ich total verstehen!
00:03:32: Aber wir versuchen mal irgendwie in diese Zeit und dieses Lebensgefühl ein bisschen einzusteigen.
00:03:37: Dafür haben wir mit einem Mann gesprochen, den man guten Gewissens als Teil der sogenannten Achtundsechziger-Generation bezeichnen kann.
00:03:44: Peter Gromann aus Stuttgart ist Theatermacher, Aktivist und Publizist.
00:03:48: Er wuchs zu einer ähnlichen Zeit und ganz in der Nähe von Gudrun Enslin auf.
00:03:52: Wo kann man auch unruhe stiften?
00:03:54: Wo kriegt man die jungen Leute so'n bisschen oder unsere Empörung.
00:03:59: Wir hatten ja, wissen Sie es ist ja so wir hatten ja unsere Eltern waren ja irgendwie noch damals verfangen in der NS Zeit.
00:04:06: Was haben die da gemacht?
00:04:07: War mein Vater oder meine Mutter war die bei der BDM beim Bund Deutscher Mädchen?
00:04:12: oder war mein Vater vielleicht in der NSTAP?
00:04:15: was hat er im Krieg gemacht?
00:04:16: warum hat er nicht wie ich den Kriegsdienst verweigert?
00:04:19: und wie kommt man dazu dass mehr Leute den Kriegesdienst verwagern?
00:04:24: also in dieser zeit ist man aufgewacht.
00:04:27: Kromann ist damals Teil der Arbeiterjugend.
00:04:30: Er engagiert sich bei den Falten, des sozialistischen Jugenddeutschlands.
00:04:34: Wir haben jetzt die großen Hungerkatastrophen in biafreien Afrika.
00:04:37: Das hat man ja alles gesehen – diese Ungerechtigkeiten in den Kolonien!
00:04:42: Die Gastarbeiter hießen damals Gastarbeiter, die kamen her als welche, die man auch wieder wegschickt.
00:04:47: Mit denen hatten wir als Arbeiterjugend oder als Leute, die in der Produktion waren also in den Betrieben gearbeitet hatte man ja viel zu tun.
00:04:55: Man hat auch deren Unterdrückung gesehen.
00:04:56: wo haben sie gelebt?
00:04:58: Wie haben Sie gelebt in Barakten und was haben Sie gegessen?
00:05:01: Was hat das so ... Die waren uns nahe ne?
00:05:04: Und nah waren uns auch alle die ein bisschen.
00:05:08: Ich sage mal heute zu den Unterdrückten im weitesten Sinne zu den unterdrückenden Gehören.
00:05:14: In den fünftiger und sechziger Jahren wächst eine Generation auf, die sich konfrontiert sieht mit der Nazi-Vergangenheit – Mit der Frage nach Schuld und damit wie es jetzt weitergehen soll?
00:05:23: Viele junge Menschen demonstrieren hinterfragen die Verhältnisse und wehren sich gegen den Zustand der BRD.
00:05:30: Zu dieser Generation gehört auch Gudrun Enslin, die Pfarrerstochter.
00:05:34: Sie wird am fünfzehnten August, nineteenhundertvierzig im kleinen Dorf Bartolomäe im schwäbischen Ostalpkreis geboren.
00:05:40: Ihr Vater Helmut Enslin ist dort der evangelische Gemeindepfarrer.
00:05:43: Aber Pfarrers Tochter zu sein?
00:05:45: Das ist ja nicht nur eine Beschreibung das erzeugt ihr auch ein Bild.
00:05:48: Man stellt sich ein Mädchen vor dass Fromm am Küchentisch sitzt Dass in einer Familie aufwächst in der der Vater und der liebe Gott das sagen haben.
00:05:55: Wenn die Tochter einer Pfarras-Familie zur Terroristin wird Dann ist das offensichtlich eine Rebellion gegen die Spießigkeit zu Hause, gegen eine Art zu leben, die eine Studentin der sechziger Jahre einfach nicht mehr ertragen kann.
00:06:06: Aber stimmt das wirklich?
00:06:09: Wie lässt sich das Elternhaus der Enslins wirklich beschreiben?
00:06:12: Das haben wir Ingeborg gleich aufgefragt.
00:06:14: Sie hat eine Biografie über Gudrun Enslin geschrieben.
00:06:17: Dafür war sie viel im Bartolomé unterwegs Hat mit Nachbarn und Freunden aus Enslings Kindertagen gesprochen Und sie kommt zu einem ganz anderen Bild über die Familie Enslien und über Vater Helmut
00:06:28: Pastor, sondern auch ein zweifler und künstlerisch tätiger Mensch.
00:06:34: Einer der nicht aufgegangen ist in dem was man sich von einem evangelischen Pastor vorstellt.
00:06:43: Also auch dieses Bild haut nicht hin einfach nur zu sagen sie kam halt aus einen evangelischen Pastorenhaushalt.
00:06:51: Als Gudrun acht Jahre alt ist zieht die Familie von Bartolomé nach Tuttlingen.
00:07:04: Für meine Begriffe waren es vor allem auch die Texte, die sie gelesen hat.
00:07:11: Die Bücher mit denen Sie sich beschäftigt haben und Gedanken mit denen sie sich auseinander gesetzt haben, die dann über das Elternhaus hinausführten.
00:07:19: Ja, apropos Elternhaus – dieses Haus in Stuttgart-Bad-Kannstadt, in dem Enslin früher mal gelebt hat?
00:07:24: Das steht auch heute noch.
00:07:26: Richtig, und du bist da mit dem Team mal hingefahren und hast Eindrücke gesammelt?
00:07:29: Wir hören mal rein!
00:07:32: Ja wir haben uns gefragt wie sieht eigentlich der Ort aus an dem eine Terroristin aufwächst und sind deshalb mal nach Kanzstadt gefahren, nach Bad Kanzstatt ein Teil von Stuttgart, der eigentlich als Arbeiterviertel gilt.
00:07:44: jetzt sind wir mal zu der Adresse gefahren in Tronenslin.
00:07:48: teilweise gelebt hat das Jugendliche Und es ist ein sehr, sehr gutes Wohnviertel.
00:07:52: Könnte man wahrscheinlich sagen, mehrere Stadtwählen alte stehen mir auf richtige Stadthäuser.
00:07:58: Auf der linken Seite noch einen Tennisplatz und auf der rechten mehrere wirklich große Häuser.
00:08:05: Da wo Gudrun Ernst den aufgewachsen ist, da ist heute eine Frauenärztin drinnen.
00:08:12: Irgendwie erinnert hier jetzt nichts wirklich an eine Terroristin.
00:08:17: Man erfährt das ja auch nirgends dass es keine Tafel auf der das stehen würde oder sowas.
00:08:23: Dass es keine Hinweise oder Schilder gibt, ist ein wichtiger Hinweis finde ich.
00:08:27: Es gibt ja ganz oft die Diskussion ob man auch diese Orte kenntlich macht.
00:08:31: Ja richtig!
00:08:32: Spannend ist es schon aber es besteht eben die Gefahr, dass so ein Ort zur Pilgerstätte für irgendwelche irren Bewunderer- oder sogar Nachahmer wird.
00:08:40: Aber in Bad Kanzstadt hat sie's nicht lange ausgehalten.
00:08:42: In den letzten Jahren macht sie ihr Abitur am Stuttgarter Königin Katharina Stift und zieht kurz danach zum Studium nach Thübingen.
00:08:49: Sie will Lehrerin werden.
00:08:51: In Tübingen macht Gudrun auch eine erste schicksalshafte Begegnung, sie lernt ihren Kommilitonen Bernwart Fesper kennen und verliebt sich in ihn.
00:08:58: an der pädagogischen Hochschule Schwäbisch-Gmünd legt sie schließlich ihr Staatsexamen ab wir anschließend eine Doktorarbeit schreiben und bekommt dafür nach mehreren Anläufen sogar ein Stipendium von der Studienstiftung des deutschen Volkes.
00:09:09: Sie bekommt ihr Zusage und zieht im Mai nineteenhundertsechzig nach Westberlin.
00:09:13: Übrigens ich glaube das war ein prägender Schritt für Enzlin Auch ideologisch.
00:09:18: Gudrun Enslin tritt einer Schriftstellergruppe bei, die der SPD nahesteht.
00:09:22: Sie mischen sich in den Bundestagswahlkampf ein auf Seiten Willi Brands.
00:09:27: Gudrun Inslin setzt damals viel Hoffnung in die Sozialdemokratie
00:09:31: und in der Rückschau macht das auch irgendwie Sinn dass man nach dem Zweiten Weltkrieg Hoffnungen auf Neues und Veränderung hat.
00:09:37: also so wirkt es zumindest für mich von außen.
00:09:40: Es kommt aber anders.
00:09:42: Die SPD verliert die Wahl und muss mit der CDU eine große Koalition eingehen.
00:09:46: Die FDP bildet mit zehn Prozent als einzige Partei im Bundestag die Opposition.
00:09:52: Für die Schriftstellergruppe und Enzlin ist all das eine große Enttäuschung, die Hoffnungen auf politische Reformen platzen.
00:10:00: Es bildet sich eine Opposition außerhalb des Parlaments – heute auch als außerparlamentarische Opposition bekannt.
00:10:07: Zunächst führen Gudrun und Bernwart in Berlin ein einigermaßen normales bürgerliches Leben.
00:10:12: Sie verloben sich im Frühjahr obwohl beide immer wieder Affären haben.
00:10:17: Gemeinsam mit ihm wird Gudrun in dieser Zeit auch zum ersten Mal politisch aktiv, noch im Tübingen haben die beiden einen kleinen Verlag gegründet – genau zwei Werke geben sie heraus!
00:10:27: Als sie in Berlin wohnen erscheint ein Gedichtband mit dem Titel «Gegen den Tod stimmen deutsche Schriftsteller gegen die Atombombe».
00:10:34: Peter Groman, den wir am Anfang schon mal gehört haben hat Gudrun Enslin in diese Zeit mehrfach getroffen.
00:10:40: Er ist
00:10:40: ausgebildeter Schriftsetzer und hilft Gudrun bei der Umsetzung dieses Buches.
00:10:45: Dass diese Frau einmal Terroristin werden würde, kann er zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen.
00:10:50: Aber seine Begeisterung für ihre Art hat sich auch schon da in Grenzen gehalten.
00:10:55: Mit vielen ihrer Ansätzen weiß er wenig anzufangen – auch wenn ihr beim Drucken des Buches hilft!
00:11:07: Wenn man ein Projekt realisiert, wie so was einen Buch zu setzen und zu machen oder zu drucken, dann sind das ganz praktische Dinge.
00:11:14: Und wenn jetzt jemand kommt aus einem ganz fremden Bereich, aus einem weit weg von Schriftsetzerei und von Buchdruck und von, wie das aussehen muss und wie es gestaltet sein muss – das war mein Metier!
00:11:24: Da wusste ich Bescheid, da hatte auch meine feste Überzeugung und da war ja auch ganz sicher, dass das stimmt.
00:11:30: Und dann jemand kommt, der das….
00:11:32: Da wuste ich's besser.
00:11:34: Da wuszte ich einfach wieso was wie sowas aus sein, also heute würde man sagen designt sein muss, gestaltet sein muss.
00:11:42: Von der Grafik von allen.
00:11:44: das war mein Bereich nicht weil da konnte man jetzt ohne weitere Bildung durch Ausbildung eben das erreichen.
00:11:50: und wenn dann die Leute mit diese an das Besserwissere wisserische erinnere ich
00:11:55: mich.".
00:11:56: In seiner Erinnerung ist Gudrun Enszin vor allem eine besservisserische Akademikerin für die Realität der Arbeiter hätten die Studenten kein Verständnis gehabt.
00:12:09: Es war, was ich immer empfunden habe, eine ganz große Arroganz.
00:12:13: Wo sich die Leute vielleicht auch geschützt hatten vor dem Allgemeinwissen einfacher Menschen wie mir jetzt oder von den Erfahrungen aus Alltag und aus anderen Kämpfen.
00:12:25: Also du bist ... Ich will nicht sagen der Diener da bist!
00:12:29: Du bist hier Schriftsetzerle ja?
00:12:31: Und wir sind jetzt die Intellektuellen.
00:12:33: Menschen wie Gromann zu finden, die heute noch ganz offen über diese Begegnung sprechen ist schwierig.
00:12:39: Klar viele Menschen wollen auch lieber nicht in aller Öffentlichkeit zugeben dass sie mit einem späteren Terroristin zu tun hatten
00:12:45: Aber der Terror ist zu diesem Zeitpunkt noch weit weg.
00:12:48: Gudrun Enzlin steckt da noch mitten in ihrer Doktorarbeit.
00:12:51: Sie muss vorankommen sonst könnte sie erst die Pendium verlieren.
00:12:54: Da folgt aber schon der nächste Umbruch Ein Leben einerseits in der neuen Motorrolle, andererseits ist sie tief im politischen Aktionismus in West-Berlin.
00:13:07: Letzteres will Sie auch weiterhin tun, schreibt sie in ihrem Semesterbericht an die Studienstiftung des deutschen Volkes.
00:13:13: Es passiert etwas im Land und Enslin wird mehr und mehr ein Teil davon.
00:13:23: Das Wirtschaftswunder bringt in der jungen BRD Wohlstand.
00:13:26: für weite Teile der Bevölkerung Klingt eigentlich erst mal gut.
00:13:30: Doch besonders die Studentinnen und Studenten aus Westberlin stehen dem politischen und gesellschaftlichen System kritisch gegenüber.
00:13:36: Sie wenden sich gegen die Altnazis, die in der Politik noch immer eine Rolle spielen.
00:13:41: Gemeinsam mit Studierenden aus Ländern wie Frankreich, Japan und den USA setzen sie sich zudem deutlich gegen den Vietnamkrieg ein.
00:13:48: Der amerikanische Einsatz höchst umstritten!
00:13:52: Viele noch sehr junge Soldaten sterben – das Durchschnittsalter der US-Soldaten in Südostasien liegt bei nur neunzehn Jahren.
00:13:58: Der Vietnam-Krieg bleibt eines der größten Disaster der US-Geschichte und ist ein Trauma für die Weltmacht.
00:14:05: Einer, der all das aufmerksam beobachtet hat, ist Werner Birkenmeier.
00:14:09: Inzwischen ist er neunzig Jahre alt.
00:14:11: Früher war er Journalist für die Stuttgarter Zeitung.
00:14:14: Er erinnert sich noch gut an die Stimmung im Land.
00:14:17: Ich habe in den fünftiger Jahren studiert Und ich habe festgestellt da waren doch unter den älteren Dozenten doch noch einige, die also im Dritten Reich auch schon ihre Stimme erhoben hatten und insofern waren da Reformen eigentlich durchaus angezeigt.
00:14:38: Und auch die grundsätzliche Frage wie ein gutes Leben aussehen sollte spielte eine wichtige Rolle.
00:14:42: vieles was zu der Zeit normal war ist für uns heute unvorstellbar.
00:14:46: nur ein Beispiel verheiratete Frauen durften nur mit der Erlaubnis ihrer Ehemänner einen Job haben.
00:14:52: Für so manches Anliegen der Studenten hatte Werner Birkenmaier viel Verständnis, doch ab einem gewissen Punkt war es auch für den jungen Journalisten nichts mehr.
00:14:59: Er bekam damals selbst die teils radikale Haltung so mancher linker Studenten zu spüren.
00:15:04: Unter anderem berichtet er über die Kongresse des sozialistischen deutschen Studentenbundes – quasi das Zentrum der studentenbewegung.
00:15:11: Über diese SDS-Kongresse habe ich ausführlich berichtet.
00:15:15: Beim ersten Kongress wurden ich und meine vier Kollegen von bürgerlichen Zeitung ausgeschlossen, weil wir Krawatten an hatten.
00:15:26: Wir waren zu bürgernlich.
00:15:29: Und da kam der Antrag dass man uns nicht haben will und dann haben sie uns vor die Tür gesetzt Und dann haben sie eine Stunde lang beraten, was sie mit uns machen.
00:15:40: Ob sie uns noch reinlassen sollen oder nicht.
00:15:42: Soweit wollten Sie doch nicht gehen und da wurden wir wieder
00:15:45: reingelassen.".
00:15:46: Also das waren so Erlebnisse... ich habe gedacht es ist eine Spinnerei!
00:15:53: Aber was wollten die jungen Radikalen?
00:15:55: Einerseits ging es den jungen Menschen darum, die Bundesrepublik von Altnazis zu befreien.
00:16:00: Der durchaus angebrachte Kampf gegen die Überbleibsel des Dritten Reichs nahm aber Formen an, die Bürgermeier schon damals nicht nachvollziehen konnte.
00:16:08: Die hielten
00:16:09: ja schon den Liberalzustand und die Konsumgesellschaft für faschistisch.
00:16:16: Da war ihr Bemühen!
00:16:19: Die großen Massen haben sie damit nicht erreicht.
00:16:22: Ja klar, vielleicht lag das einfach daran dass viele Menschen froh waren, dass ihre Kühlschränke und Vorratschränke nach den Kriegsjahren wieder voll waren?
00:16:29: Da hat man halt gerade mal nicht so viel Zeit, um über die Sinnfragen des STS zu philosophieren.
00:16:34: Übrigens eine der Führungsfiguren des STs und inoffizieller Sprecher der Studentenbewegung ist Rudi Duczke.
00:16:40: Redegewand idealistisch!
00:16:42: Für viele Linke einer Art Idol – auch im Leben von Enstlin würde er noch eine Rolle spielen.
00:16:47: Duczké wird nämlich zum Patenonkel von Enslins Sohn Felix.
00:16:51: Ihnen also Ducské und viele andere Köpfe erlebte Journalist Birkenmaier selbst.
00:16:56: Der eigentliche Punkt wo ich anfing, kritisch zu werden war ein Kongress des sozialistischen deutschen Studentenbundes in Frankfurt.
00:17:07: Als man da reinkam, war ein riesengroßes Plakat an der Wand von Che Guevara.
00:17:13: Dann gab es einen studentischen Redner.
00:17:18: Der ist Rudi Duczke, der mir auch viel, weil er sagte die Aktionen, die in der dritten Welt gegen die da herrschenden vorgebracht werden, die müssen wir auch hier in unsere Metropolen holen auf dem Kontinent.
00:17:35: Wir müssen hier die Menschen befreien.
00:17:40: und habe ich gedacht, wir sind gerade aus einem NS-Massensstaat auf dem Weg in eine sich entwickelnde Demokratie mit viel Freiheit – was gibt es dazu?
00:17:53: Befreien!
00:17:59: Um zu verstehen, was damals los ist, gehen wir gedanklich mal in die Kommune eins.
00:18:04: Bis heute eine der bekanntesten WGs überhaupt!
00:18:07: Sie will ein Gegenmodell zur bürgerlichen Kleinfamilie sein – politisch, gleichberechtigt und sexuell frei.
00:18:14: Auch der spätere RAF-Terrorist Andreas Bader geht in der Wohnung in Westberlin ein und aus.
00:18:19: Ja merkt euch diesen Namen mal.
00:18:21: Zudem kommen wir später aber.
00:18:23: Ja stimmt, aber erst müssen wir ein bisschen Anlauf nehmen dafür….
00:18:26: Die erste politische Aktion der Kommune sollte das sogenannte Pudding-Attentat auf den US-Vizepräsidenten Hubert Humphrey sein, der in den letzten Jahren in Berlin besucht.
00:18:35: Doch einen Tag vor der geplanten Tat werden die acht Attentäter festgenommen.
00:18:39: Obwohl die Bomben nur ein Gemisch aus Pudding, Joghurt und Mehl enthalten, werden sie von der Springerpresse als Horrorkommunaden beschimpft.
00:18:47: Es folgen Proteste gegen die undemokratischen Zustände im Iran.
00:18:51: Der Anlass ist der Besuch des Charles von Persien und seiner Frau, den man in der BRD einen Pompösen-Empfang bieten will.
00:18:58: Während das Kaiserpaar mit dem Bundespräsident am zweiten Juni eine Opernvorstellung besucht, demonstrieren rund zweitausend Studierende der Berliner Hochschulen vor der Tür.
00:19:06: Doch der Protest soll offenbar unterdrückt werden – die Situation gerät völlig aus dem Ruder!
00:19:11: Die Polizei und der persische Geheimdienst antworten den Studenten mit Knüppeln.
00:19:16: Aufgeheizt wird die Stimmung unter den eingesetzten Beamten bewusst, durch die Falschmeldung ein Polizist sei durch Messerstiche von Demonstranten erstochen worden.
00:19:24: In einem Hinterhof wird der sechsundzwanzigjährige Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen – ein junger Student verheiratet und ein werdender Vater.
00:19:42: Und wie mit so vielen jungen Menschen, macht dieser zweite Juni in den Sechzehnten auch etwas mit Gudrun Enzlin.
00:19:50: Die Beobachtung dieses Tages und die Art, wie der Staat und die Polizei mit dem Demonstrantinnen umgegangen sind hat sie glaube ich zutiefst schockiert und aus diesem Schock heraus hat sie sich Fragen gestellt.
00:20:09: also als Grundsätzlich fragende Person war das ganz klar, dass sie damit nicht fertig werden konnte.
00:20:16: Sie konnte es nicht einfach wegwischen und sagen ich studiere jetzt, ich mache hier meine Doktorarbeit weiter
00:20:22: usw.,
00:20:23: sondern sie wollte wissen wie es zu so einem Vorgehen überhaupt kommen konnte.
00:20:31: Und ich denke, das war der zündende Moment
00:20:37: Ja und genau zu dieser Zeit trifft Gudrun Enslin in diesen linken Berliner Kreisen jemandem, der ihr Leben für immer verändern wird.
00:20:44: Ein drei Jahre jüngerer Münchner, der bis dahin als Bauarbeiter- und Boulevardreporter jobbt oder halbnackt für Schwulenmagazine posiert.
00:20:52: Sein Name ist Andreas Bader.
00:20:54: Ihre Begegnung verändert alles!
00:20:57: Bader und Gudrun Enslin werden ein liebes Paar und sitzen schon ein paar Monate später im Gefängnis.
00:21:02: Die Zeit des friedlichen Protests ist endgültig
00:21:05: vorbei.
00:21:10: Gudrun Enzlin, Terror Haft Tod.
00:21:15: Der RAF-Podcast der Stuttgarter
00:21:16: Zeitung.
00:21:18: Redaktion Lea Krug Maximilian Kroh Felix Frey Katrin Meyer Sohn Kamen Häusinger von Waldecke und Joachim Dorfs.
00:21:28: Ton Musik und Schnitt Marianne Hepp Moderation Lea Crug und Felix Frei.
00:21:34: Weitere Stimmen Mira Vespa und Selina Schwarzbach.
00:21:38: Titelgrafik Tina Foe, Faktencheck Olivia Denner.
00:21:43: Konzept Lea Krug und Felix Frey nach einer Idee von Rebecca Hanke und Felix frei.
00:21:51: die Produktion wurde unterstützt von Hit Radio Antenne eins dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg dem Staatsarchiv Ludwigsburg und im Stadtpalier Stuttgart.
00:22:00: noch mehr Sendungen findet ihr unter stuttgarter minuszeitung.de.
00:22:03: slash
00:22:04: Podcasts.
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