Folge 6: Mythos und Realität

Shownotes

Vor 50 Jahren, am 21. Mai 1975, beginnt in Stuttgart Stammheim der Prozess gegen Gudrun Ensslin – Mitbegründerin der Roten Armee Fraktion (RAF) und Symbolfigur des linksterroristischen Widerstands. Mit diesem Podcast widmet sich die Stuttgarter Zeitung dem Leben Gudrun Ensslins und macht sich auf die Spurensuche. Wie wurde die Pfarrerstochter zur Terroristin?


#Deutschland #Zeitgeschichte #RAF #Stammheim


Mehr zum Thema erfahrt ihr hier: 

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Ihr habt suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/


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Impressum:

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Transkript anzeigen

00:00:00: In dieser Podcast-Folge behandeln wir die Themen Mord und Suizid.

00:00:03: Hört euch diese Produktion nur an, wenn ihr euch auch wirklich dazu in der Lage fühlt!

00:00:08: Die Nacht zum

00:00:16: achtzehnten Oktober nineteenhundert

00:00:27: siebenundsiebzig

00:00:42: wird zur Todesnacht von Stammheim.

00:00:45: Gudrun Enzlin nimmt sich ein Lautsprecherkabel und er hängt sich am Fensterkreuz ihrer Zelle, auch die anderen Stammheimer nehmen sich selbst das Leben.

00:00:54: Andreas Bader erschießt sich, Jan Karl Raspel versucht es ebenfalls, lebt aber noch als er vom Vollzugsbeamten am Morgen gefunden wird.

00:01:03: Er stirbt am Vormittag im Krankenhaus.

00:01:06: Einzig die RAF-Terroristin Irmgard Möller überlebt.

00:01:10: Sie hatte sich in der Herz gegen Stichverletzungen mit einem Messer zugefügt.

00:01:14: Ihr hört die letzte Folge unseres Podcasts, mein Name ist Felix Freihallo

00:01:19: und mein Name is Lea Krug.

00:01:20: Hallo!

00:01:22: Von dieser blutigen Nacht ins Stammheim gibt es heftige Fotos auf einem Blut an Wänden und Kissen.

00:01:30: daneben liegt noch eine Schallplatte und ein Aschenbecher irgendwie so zufällig.

00:01:35: Und dann gibt es auch noch diese Bilder vom toten Andreas Bader in einer Blutlache.

00:01:40: Der Leichnam von Enzlin ist auf diesen Bildern nicht zu sehen, er wird von einer grauen Decke verdeckt.

00:01:46: Diese Fotos die findet man heute noch im Netz veröffentlicht von großen Nachrichtenseiten.

00:01:51: Journalistinnen und Journalisten sagen dazu Dokument der Zeitgeschichte soll heißen diese Fotos erzählen etwas über eine bestimmte Zeit In diesem Fall über ein wortwörtlich blutiges Kapitel deutscher Geschichte.

00:02:04: Aber wie kamen diese Waffen ins Gefängnis, mit denen sich Bader und Raspe das Leben haben?

00:02:10: Heute geht man davon aus dass diese Pistolen über die RAF-Anwälte nach Stammheim gelangt sind.

00:02:16: Manipulierte Prozessakten so richtig dicke Wellser wurden genutzt um darin die Pistole zu schmuggeln.

00:02:23: Es sind heftige Tage in der BRD.

00:02:26: Mit dem Tod der Stammheimer sind auch die Stunden des entführten Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer gezählt.

00:02:33: Inzwischen befindet er sich seit dreiundvierzig Tagen in der Gewalt der RAF.

00:02:37: Er wird mit drei Schüssen in den Hinterkopf getötet.

00:02:40: Seine Leiche wird in einem Kofferraum im Elsass gefunden, bis heute ist ungeklärt wer damals diese Schüsse abgegeben hat.

00:02:47: Sein Sohn bemüht sich noch heute um Aufklärung.

00:02:50: Was damals gefühlstechnisch in den Menschen vorgeht und was der Tod von Enzlinn und den anderen auch ausgelöst hat.

00:02:58: viele unserer Gesprächspartner wollten oder konnten nicht so richtig erklären was damals in ihnen vorging, es ja vielleicht auch manchmal schwierig über Gefühle zu sprechen.

00:03:07: Einer der wenigen, der aber ganz offene Worte gefunden hat – das war tatsächlich Hans-Jörg Schalkowski!

00:03:12: Er erinnert euch an die letzten Folgen?

00:03:15: Er war früher Polizist.

00:03:17: Was hat er gefühlt als er vom Tod von Enslin und Co.

00:03:20: erfahren hat?

00:03:21: Also ich sag's jetzt mal ganz flappt, weil die Drecksäcke sind wohl weg.

00:03:26: In dem Moment sieht man, wie viele Kollegen

00:03:28: gestorben sind,

00:03:30: Kollegen und unschuldige andere... Aber die übrigen Kulop-Polizisten.

00:03:36: Ja, das ist eine heftige Aussage... aber wenn man da vor allem an tote Kollegen denkt bei diesem Namen dann kann ich das schon auch nachvollziehen.

00:03:44: Obwohl man sich sicher niemals den Tod eines anderen Menschen wünschen sollte.

00:03:48: Ich glaube Schalkowski ist vor allem froh dass die Täter keinen Schaden mehr anrichten können.

00:03:56: In dieser besagten Todesnacht war der Staatsanwalt Klaus Flieger in Stammheim.

00:04:00: Er war mit Papierkram beschäftigt, sagt er.

00:04:02: Er hat die Toten selber also nicht gesehen.

00:04:27: Die Obduktion der Leichen zeigt ganz klar, es handelt sich um Selbstmord.

00:04:32: Doch die RAF und so manche Irrosympathisanten bringen die Theorien-Spiel, es habe eine Art Staatsmord gegeben.

00:04:39: Die Terroristen sollen wohl als Märtheurer in die Geschichte eingehen – und dieser Plan geht auf!

00:04:44: Viele RAF-Anhängerinnen und Anhänger glauben das tatsächlich ….

00:04:48: Und auch heute gibt es in so manchen linken Kreisen Zweifel an der Darstellung der offiziellen Stelle.

00:04:54: Staatsanwaltpläger hält von solchen Theorienen nichts.

00:04:58: Für mich ganz eindeutig Selbstmorte.

00:05:01: Und ich habe später, um das gleich hier unterzubringen in einer Vernehmung, da hab' ich in Leonberg eine RF-Frau versammelt, die mir erklärt hat innerhalb der Gruppe sei es unstreitig gewesen dass die Stammenheimer sich umgebracht haben und das habe sogar einen Spezialbegriff innerhalb der gruppe gegeben Suicide Action als eine Selbstmordaktion wo man den eigenen Tod noch mal instrumentalisiert indem wir den Eindruck erweckt haben mordet worden zu sein.

00:05:29: Das finde ich schon krass.

00:05:30: Jemand bringt sich um und inszeniert das dann noch als Mord, soweit muss man auch erst mal gehen wollen!

00:05:35: Und naja tatsächlich hat diese Idee der RRF über die Flieger hier gerade gesprochen hat also... Die von der Suicide-Action in so manchen Kreisen auch tatsächlich funktioniert.

00:05:45: Es ist ebenfalls eine Theorie dass die Stammheimer in dieser Todesnacht abgehört wurden Also dass man ihren Suizid eben nicht verhindert hat obwohl man davon wusste.

00:05:54: Ich habe während unserer Recherche auch mit Menschen gesprochen, die genau von so etwas ausgehen.

00:05:59: Aber vor dem Mikrofon wollte sich in diese Richtung niemand

00:06:02: äußern.".

00:06:03: Und man muss ja ganz klar sagen Beweise für all das gibt es gar keinem!

00:06:08: Das sind alles bloße Verschwörungstheorien geblieben?

00:06:11: Ja um das zu verstehen, muss man sich eben ganz genau anschauen wie diese Debatte damals auch verlief.

00:06:17: Das Problem ist dass der Staat in dieser Zeit eben auch zu wirklich fragwürdigen Mitteln gekriffen hat Darunter beispielsweise ein heimlicher Lausch-Angriff.

00:06:26: Tatsächlich wurden in der JVA Stammheim damals zwei Gespräche zwischen RAF Angeklagten und ihren Anwälten abgehört, Und das ist in Deutschland grundsätzlich verboten – also so ein heiliger Kral!

00:06:38: Damals wurde wirklich eine rote Linie überschritten.

00:06:41: Ja, dass es das was mich in der Recherche tatsächlich ein bisschen entsetzt hat, dass der Staat hier sozusagen mit seinen eigenen Spielregeln bricht und einen fairen Prozess quasi gar nicht mehr möglich macht.

00:06:52: Ja, man muss sich aber auch anschauen was die andere Seite damals so bewegt hat.

00:06:56: Die Verantwortlichen berufen sich auf einen übergesetzlichen Notstand.

00:07:00: Sie wollten verhindern dass die gefangenen Geiselnamen oder sogar Anschläge aus dem Gefängnis herausplanen können und das muss man natürlich verstehen.

00:07:08: der Staat wollte seine Bürgerinnen und Bürgerschützen.

00:07:11: Der Staat hat ist vielleicht jetzt ein großes Wort da aber ich meine es ist berechtigt.

00:07:16: der Staat hat damit gewackelt weil er mit etwas konfrontiert war also bis dahin noch nie erlebt hat dass er mit Anschlägen angegriffen worden ist,

00:07:26: auch

00:07:26: auf justiziellem Weg.

00:07:28: Mit allem was die Anwälte strafprozessual an Möglichkeiten hatten haben die agiert wie wir es eben nicht gewohnt waren und auf diese neue Situation sachgerecht zu reagieren hat die Beteiligten damals an die Grenze des.

00:08:02: Wenn der Staat gegen seine eigenen Regeln verstößt, dann büsst er eben auch langfristig an Vertrauen ein.

00:08:08: Das ist was Flieger immer wieder versucht zu erklären.

00:08:16: Ich bin ein Stück der Gegner, dass er staatliche Dinge macht.

00:08:23: Weil das vertrauende Staat vollkommen

00:08:25: kaputtmacht.".

00:08:30: Ein Punkt spielt bei der Berichterstattung über die RAF eine große Rolle – und zwar die Tatsache, dass Enslin und auch viele andere der RAF-Mitglieder Frauen waren!

00:08:39: Das sieht man vor allem wenn man auf diese alten RAF Fahndungsplakate schaut.

00:08:44: Man muss aufpassen, dass man da keine Schubladen bildet.

00:08:46: aber faszinierend allein durch die Feststellung dass innerhalb der RAF während der Schleierentführung die Zahl der Frauen überwogen

00:08:54: hat.

00:08:55: Es waren elf Frauen und zehn Männern, also ich habe es deshalb genau darauf gehabt weil ich nachher natürlich heraus rechnen konnte wer die Tatbeteiligten an Schleiaraten tat war eine Frau drei Männern weil ich hagenau wusste wie groß die Gruppe war.

00:09:14: wer dort war wird durch die Aussteigeraussagen grundzeugt Dazu Erkenntnisse hatten.

00:09:45: Also die verschiedensten Theorien?

00:09:47: Die Historikerin Gisela Diewald Kirkmann hat sich mit diesem Phänomen Frauen und Terror befasst.

00:09:53: Und die kommt zu dem Schluss, dass es Geschlecht eigentlich keine Rolle spielt.

00:09:57: Mag jetzt vielleicht manche einen überraschen?

00:09:59: Aber für die meisten Frauen der RAF soll es bedeutungslos gewesen sein, dass sie Frauen

00:10:03: waren

00:10:03: – so zumindest ihre Einschätzung!

00:10:06: Sie sahen sich schlicht als Revolutionärinnen.

00:10:09: Die Entscheidung für den Terrorismus sei von Männern und Frauen ähnlich begründet worden, so ist das Fazit der HistorikerInnen.

00:10:16: Es ist also eher die Interpretation von außen.

00:10:19: Gewissermaßen verschließen die Frauen nicht nur gegen das Gesetz und gegen das Strafgesetzbuch, sondern auch gegen die geschlechte Rollen – so sieht es die Historikerin!

00:10:28: Dass auch Andreas Bader etwa eine Tochter hatte und sich überhaupt nicht um sie sorgte, spielt in der Öffentlichkeit nur selten eine Rolle.

00:10:35: Die Mutterschaft von Enstin und Meinhof hingegen wird total oft betont.

00:10:39: Irgendwie werden männlichen Terroristen eher die politischen Beweggründe zugesprochen.

00:10:43: Ich bin der Meinung, vor allem auch nach dieser Recherche.

00:10:46: Da sollten Journalistinnen und Journalisten durchaus kritisch sein wenn sie über die RF

00:10:51: schreiben.".

00:10:55: Die Pfarrerstochter, die ihr am Anfang des Podcasts kennengelernt habt?

00:10:59: Die gibt es nicht mehr!

00:11:00: Sie opfert ihr eigenes Leben für die Vorstellungen einer Zukunft wie sie selbst nie haben kann.

00:11:06: Das klingt jetzt fast ein bisschen nach Utopie und nach dem Wunsch nach einer besseren Welt ändert aber nichts an der Tatsache dass darunter Terror steckt Denn für die RAF waren die Leben anderer Menschen nichts wert, wenn sie ihnen bei der Ausführung ihrer Pläne im Wege standen.

00:11:21: Enslin und die anderen sind tot – und es stellt sich die Frage wie beerdigt man eigentlich Terroristen?

00:11:27: Darf eine mordende Bande einfach so neben anderen Bürgern liegen?

00:11:31: In Stuttgart gab's die Angst, die Gräber könnten zu einer Art Pilgerstätte werden!

00:11:36: Trotz öffentlicher Proteste ließ der damalige CDU-Oberbürgermeister Manfred Rommel die Terroristen in unheimlich dem Dornhalden-Friedhof bestatten.

00:11:45: Seine Begründung ist bestechend, simpel und human.

00:11:49: Mit dem Tod endet jede Feinschaft, erklärt er

00:11:51: damals.".

00:11:52: Ja, das ist sogar dem linken Schuttgarter Aktivistin Tobauer positiv in Erinnerung – dass sich ausgerechnet ein CDU-Politiker dafür engagiert hat!

00:12:05: der Gemeinsambeerdigung

00:12:06: nicht

00:12:07: stattgefunden.

00:12:08: Das muss man der Rommel eindeutig zugutehalten, dass er aus einer humanistischen Prägung heraus ein Machtwort gefällt.

00:12:17: Er hat gesagt, da gibt es ja auch den berühmten Satz nach dem Tod hört die Feindschaft auf und das war zum Beispiel für alle Angehörigen jetzt egal ob als Verwandte oder als Genossinnen genossen alles im Umfeld der RAF.

00:12:35: Ganz, ganz wichtig, dass die drei Baderins den Undras gemeinsam begraben werden durften.

00:12:42: Bauer erinnert sich?

00:12:43: Er besuchte die Beerdigung damals aber eher in der Rolle eines Touristen wie er sagt.

00:12:48: Er war vor allem neugierig.

00:12:50: Das waren so gespinstische Szenen wie aus dem John Carpenter Film.

00:12:55: Überall war Bewegung... Geklappte ist Gefahr, alles war voller Polizei.

00:13:02: Alles war volla aus kuriler Figuren.

00:13:04: Meinen die Leute haben da auch entsprechend ausgesehen.

00:13:06: Auch ohne Beerdigung und ohne RF mit Kleidung, bunter Kleidungen, lange Haare, Bärdehüte oder so was ich.

00:13:15: Und man wusste nicht genau, was explodiert er jetzt?

00:13:20: Wie gefährlich ist das wenn diese Masse von Leuten auf die Masse der Polizisten, die auch nicht zimberlich waren?

00:13:41: Und auch der Pfarrer von damals, Bruno Streibel den ihr in der letzten Folge bereits kurz kennengelernt habt hatte kein gutes Gefühl.

00:13:48: Saar sich aber verpflichtet die schwere Aufgabe anzunehmen.

00:13:51: Die Polarisierung war so stark zwischen den Sympathisanten der RAF und den Gegnern.

00:13:58: Dass ein Funke genügt hätte, das Ganze wäre

00:14:00: explodiert.".

00:14:02: Bruno Streibel wurde damals dafür angefeindet dass er die Beerdigung für Enstlin und die anderen hielt... ...und versucht hat in dieser schwierigen Situation irgendwie eine Art von Versöhnung herzustellen.

00:14:12: Streibel berichtet von ernsthaften Einschüchterungsversuchen vor allem von rechts.

00:14:17: Die meisten waren natürlich dafür, die gehören auf einen Misthaufen geschmissen oder Müllheimer.

00:14:22: Das hörte auch nicht auf, wie ich in der Sacke Style war aus dem Donaldsfriedhof.

00:14:27: Da kamen Zettel rein und ich wollte mich konzentrieren vor der Ansprache.

00:14:31: Zehn oder zwölf Briefe – die meisten mit dem Inhalt.

00:14:37: sagen sie doch in ihrer Predigt, dass das Schweine waren und dass sie eigentlich verbuddelt gehören und nicht auf einen Friedhof.

00:14:45: Hass erfüllt!

00:14:47: Hubschrauber in der Luft sorgen mit ihrem Lärm damals für eine befremdliche Begleitmelodie auf dem Friedhof, so erzählt es Streibel.

00:14:54: Ihm sind vor allem die vielen Polizisten in Erinnerung und die sind teilweise ganz massiv bewaffnet.

00:15:00: Die Maschinpistolen waren nicht auf den Boden gerichtet, sie waren auf Augenhöhe.

00:15:03: Das hat mir Angst gemacht.

00:15:05: Aber ist das nicht nur eine aggressive Stimmung auf dem Frithof?

00:15:09: Wie bei einer normalen Beerdigung blickt der Pfarrer auch in viele traurige Gesichter

00:15:14: Sympathische Frauen und Männer, die haben geweint.

00:15:18: Das waren keine derben Typen, sondern fein gebildete Leute.

00:15:23: Wir waren maskierte da – und Leute, die nicht maskiert waren?

00:15:27: Viele

00:15:28: junge Polizisten versteinert das Gesicht, bleich angespannt.

00:15:35: Streibel muss vor allem versuchen zu verhindern, dass die Beerdigung zu einer Art Demonstration wird.

00:15:40: Noch heute hat er die Worte Erinnerung und die Rede Zuhause aufbewahrt

00:15:45: Und dann erfolgte das Gebet, des Vater Unser und darin vor allen Dingen der Satz vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

00:15:58: Tatsächlich bleibt die Beerdigung weitestgehend friedlich!

00:16:01: Wir haben uns gefragt, wie dieses Grab auf dem Dorn-Halden-Friedhof eigentlich aussieht.

00:16:06: Pilgerender womöglich sympathisanten hin um irgendwelche politischen Messages zu hinterlassen?

00:16:10: Lea du bist hingefahren – Wie war's

00:16:12: da?!

00:16:13: Das Grab und die ganze Umgebung dort, die wirkten auf mich fast schon überraschend unspektakulär.

00:16:19: In der letzten Ecke des Friedhofs in der Abteilung neunundneinzig findet man das Grab.

00:16:23: Tatsächlich ist es ganz klassisch mit so einer großen Bodenplatte für die drei also für Enslin, Bader und Raspe Und da steht auch kein politischer Slogan oder so.

00:16:32: Das sind einfach die Namen ihr Todestag und der Hinweis Stuttgart-Stammheim.

00:16:38: Es ist wirklich ein gepflegtes Grab.

00:16:40: Als ich dort war, lagen da sogar fünf Blumen am Stein.

00:16:43: Ich glaube es waren Nelken.

00:16:44: Es war sehr kalt an dem Tag und die waren umhüllt von Tau und Frost Und auch Kerzen standen dort Und irgendwie versucht man dann ja zu interpretieren Warum Nelcken?

00:16:54: Warum Fünf?

00:16:55: ist das eine Art Code?

00:16:57: Und wer bringt überhaupt die Blumen hierher?

00:16:59: Sind das sympathisanten Familienangehörige oder einfach Menschen, die aus welchem Grund auch immer erinnern wollen.

00:17:06: Das mit der Fünf könnte ich mir insofern erklären, dass man hier womöglich auch an Ulrike Meinhof und Holger Mainz gedenken wollte.

00:17:14: Aber ich fürchte da komme ich schon einen Punkt der

00:17:16: Spekulation.".

00:17:19: Die erste Generation der RRF ist tot!

00:17:22: Doch sie haben dafür gesorgt, das der Terror in Deutschland auch ohne sie weitergeht.

00:17:27: Eine zweite Generation und sogar eine dritte entstehen.

00:17:30: Insgesamt sollen vierunddreißig Tote und eine Vielzahl an Verletzten auf das Konto der linken Terrororganisation gehen

00:17:37: Und tatsächlich beschäftigt die Gruppe die Strafverfolgung auch noch heute.

00:17:41: Erst letztes Jahr wurde eine RRF-Terroristin der dritten Generation gefasst, Daniela Klette.

00:17:48: Den Namen den kennt ihr vielleicht aus den Nachrichten.

00:17:50: Ja und diese Klette lebte unter falschen Namen in Berlin Kreuzberg.

00:17:55: Als Claudia soll sie Tanz- und Pilateskurse besucht haben und auch zu Lesungen gegangen sein.

00:18:02: So normale Sachen halt.

00:18:04: Im Februar zwanzig vierundzwanzig wurde sie dann aber festgenommen.

00:18:08: Der falschen Claudia kam an doch auf die Schliche.

00:18:11: Ermittler fanden bei ihr eine Maschinenpistole, eine Kalaschnikoff und drei Pistolen.

00:18:16: Im März fünfundzwantzig begann nun ein Prozess gegen die sechsensechzigjährige.

00:18:21: Es geht um versuchten Mord und schweren Raub.

00:18:24: Klaus Pflieger der ist sich sicher.

00:18:27: In Deutschland leben nach wie vor mehrere RAF-Terroristen im Untergrund unter falscher Identität ähnlich wie Klette.

00:18:34: Doch die Suche nach den Terroristen oder gar die Jagd, wenn man so davon sprechen will, geht weiter.

00:18:40: Ja auch das klingt mal wieder nach einer Menge Kino und Action!

00:18:43: Aber ich finde Flieger hat uns in unserem Gespräch auf etwas Wichtiges aufmerksam gemacht.

00:18:48: Diese Jagd nach Terroristen ist kein Selbstzweck.

00:18:51: Es geht nicht darum dass der Staat hier eine Art Spiel gewinnt – und es geht auch nicht um Rache.

00:18:56: Flieger macht darauf aufmerksam, wie wichtig die Suche nach ihnen für Angehörige von Opfern ist.

00:19:01: Die endlich wissen wollen was passiert ist.

00:19:04: Noch heute beschäftigt sich der ehemalige Staatsanwalt mit den Prozessen, mit der RRF und mit den Folgen.

00:19:10: Immer wieder trifft er auch auf die Kinder der Opfer oder andere Betroffene.

00:19:15: Die Wunden von damals seien noch immer nicht ganz verheilt Und auch viele Fragen nach wie vor ungeklärt.

00:19:21: Ich will nur noch wissen... ...die historische Wahrheit Von daher auch mein Kampf als Strafefolger, trotz Pensionär da sein.

00:19:31: Das will ich immer noch aufgeklärt haben.

00:19:33: Das wird die Gesellschaft wissen

00:19:35: auch.".

00:19:36: Es gehe darum, heute weiter aufzuklären.

00:19:39: Die Terroristen von Einst solle man deshalb nicht mehr bestrafen fordert ihr?

00:19:44: Einen Staatsanwalt der die Bestrafung in gewisser Art verhindern will?

00:19:47: Es klingt auf den ersten Blick absurd!

00:19:50: Im Kontakt mit so manchen Opfern von einst kommt er zum Schluss.

00:19:53: Die Wahrheit herauszufinden, ist wichtiger als die Terroristen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren zu bestrafen.

00:20:00: Selbst wenn einer bei einem weiteren Wort direkt beteiligt ist?

00:20:03: Ist der Zeitablauf jetzt so lang dass kein Strafbedürfnis mehr besteht?

00:20:09: Auch die Gesellschaft auch die Opferseite ist dann nicht mehr daran interessiert.

00:20:15: Aber wie wahrscheinlich ist es auch noch nach fünfzig Jahren eine neue Information zu gelangen, die bis dato immer im Verborgenen waren oder alte Terroristinnen und Terroristen zu finden, die dann nach vielen Jahrzehnten doch noch bereit sind sich womöglich zu stellen.

00:20:30: Das ist eine Frage, die wir in diesem Podcast nicht mehr beantworten können.

00:20:34: unsere Geschichte endet hier Und deshalb überlassen wir dem RAF-Jäger Klaus Pflieger das letzte Wort.

00:20:41: Als Staatsminister gibt man die Hoffnung nie auf.

00:20:44: Ich habe keine konkreten Ansatzpunkte für diese Hoffnung Aber ich hab die Erfahrung gemacht dass ich immer wieder überrascht worden bin dass sich ein neues Türchen aufgetan

00:20:53: hat.

00:20:58: Gudrun Enzlin Terror Haft Tod.

00:21:02: Der RAF Podcast der Stuttgarter

00:21:04: Zeitung.

00:21:05: Redaktion Lea Krug Maximilian Kroh Felix Frey Katrin Majer Sohn Kamen Häusinger von Waldecke und Joachim Dorfs.

00:21:15: Ton, Musik und Schnitt Marian Hepp Moderation Lea Crug und Felix

00:21:21: Frei.

00:21:22: Weitere Stimmen Mira Vespa und Selina Schwarzbach.

00:21:26: Titelgrafik Tina Foe, Faktencheck Olivia Denner Konzept Lea Krug und Felix

00:21:33: Frei

00:21:34: Nach einer Idee von Rebecca Hanke und Felix frei.

00:21:38: Die Produktion wurde unterstützt von Hitradio Antenne I Dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg dem Staatsarchiv Ludwigsburg und im Stadtpalais Stuttgart.

00:21:47: Noch mehr Sendungen findet ihr unter stuttgarter-zeitung.de.

00:21:51: slash

00:21:51: podcasts.

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